Köln-Halbmarathon 2015

Und es geht doch (noch)! Nach zwei knapp fehlgeschlagenen Versuchen, auf der Halbmarathonstrecke  noch einmal die Zeit von 2 Stunden zu knacken, hat es beim dritten Anlauf dann endlich geklappt.  Doch nicht nur das, denn mit dem dies-jährigen Lauf beim  RheinEnergie-Halb-Marathon in Köln habe ich sogar meine vor  sechs  Jahren aufgestellte persönliche Bestzeit auf der 21,1 km langen Strecke unterboten.

 

Dabei ging es gar nicht mal so gut los. Denn bedingt durch die vielen Baustellen in Köln, kamen mein Laufkamerad und ich erst wenige Minuten vor dem Startschuß zum Halbmarathon im Startbereich an, jedoch noch im Trainingsanzug und unserem Kleiderbeutel auf der Schulter.  Als wir dann nach den LKW suchten, an denen die Beutel abgegeben werden sollten, damit sie von diesen zum Zielbereich gebracht werden können, stellten wir fest, dass diese bereits weg waren!

Nur noch drei Minuten bis zum Start.

 

Wohin nun mit dem Ballast? Da sahen wir die Kleider-LKW für die Marathonläufer, die zwei Stunden später starten würden. Doch die waren noch verschlossen und von den Fahrern keine Spur.  Wir rannten wie aufgescheucht hin und her, um eine Möglichkeit zu finden, unsere Kleiderbeutel irgendwo  loszuwerden. 

Nur noch Sekunden bis zum Start. 

 

Mitten in den Grünanlagen zog ich mir dann eiligst den Trainingsanzug aus, stopfte ihn in den Kleiderbeutel zu meinen anderen sieben Sachen und war drum und dran, den Beutel  irgendwo hinter oder in einem Baum zu deponieren, um ihn nach dem Lauf dort hoffentlich wieder vorzufinden.

Da entdeckte ich, nicht weit von den LKW für die Marathon-kleiderbeutel entfernt, einen Bananen-Laster, dessen Fahrer gerade dabei war, kistenweise von dem gelben Obst auszu-laden, das wohl für die Läufer bestimmt war. 

Peng!  Das war der Startschuß!

 

Ich sprang zu dem Laster, und bat den völlig verdutzten Fahrer darum, meinen Beutel entgegenzunehmen um ihn später, wenn die Kleider-LKW für die Marathonläufer öffneten, dort abzugeben. Es blieb keine Zeit, dem armen Mann das ein zweites Mal zu erklären, denn offenbar fanden viele Läufer, denen es ähnlich ergangen ist, meine Idee gut, denn plötzlich stand hinter mir eine ganze Menschentraue an Halbmarat-

honis, die auch Ihre Kleiderbeutel noch loswerden wollten...

Bevor der Mann auch nur ein Wort sagen konnte, lagen bereits zig Beutel in seinem Laster...   So wurde der Bananenlaster dann kurzfristig zum Zwischen-Kleiderlaster umfunktioniert.

 

Man sollte jetzt meinen, dass das Starterfeld zwischenzeitlich über die Startlinie entschwunden war, doch nicht so in Köln. Da weit über 10.000 Starter allein für den Halbmarathon gemeldet  waren,  staute es sich erwartungs- und erfahrungs-

gemäß im Startbereich, so dass die letzten Läufer mitunter erst 30 Minuten später über die Startlinie laufen konnten.

Aber das ist kein Problem, denn die Zeitmessung beginnt ja erst, wenn man mit seinem elektronischen Läufer-Chip über die Startmatte läuft.

So reihte ich mich dann in das Feld der gerade anlaufenden Läufer ein und lief dann etwa drei Minuten später über die Startmatte. Zeit läuft!

 

Jetzt galt es zunächst, einen akzeptablen Kompromiss zwischen der theoretischen Ideallinie und einem adäquaten Lauftempo zu finden, denn beides vom Start weg zu reali-sieren, ist aufgrund der Menge der Läufer  und  des entsprech-

enden Getümmels schlicht  unmöglich, ähnlich wie der Versuch, an einem Hochsommertag in einem Freibad in Ruhe eine gerade Bahn zu schwimmen.

 

Nach etwa drei Kilometern hat sich das Starterfeld dann so weit auseinandergezogen, dass man mit geübten Blick schon nahe an die Ideallinie herankommt und auch sein Tempo überwiegend so wählen kann, wie man es möchte.

Als meine Konzentration sodann immer weniger der Ideallinie und dem Tempo gewidmet werden musste, dachte ich immer wieder an meinen Kleiderbeutel  und konnte nur hoffen, dass der Fahrer des Bananenlasters diesen auch wirklich an den Kleider-LKW abgeben würde und mein Beutel von dort dann irgendwie zur Beutelrückgabe im Zielbereich finden würde. Ich malte mir schon aus, wie es sein würde, fix und fertig im Ziel anzukommen, und dann an Beutelausgabe zu erfahren, dass mein Beutel samt trockener Kleider, Proviant, Auto-

schlüssel etc. nicht dort sei...

 

Doch zurück zum Lauf. Alles lief gut. Sehr gut sogar. Das war zum einen meiner etwa achtwöchigen Vorbereitungszeit, aber auch der Erfahrung aus den letzten Läufen zu verdanken, denn im Gegensatz zu den letzten Läufen führte ich mir dieses mal  etwa alle 5000 Meter etwas Sportnahrung zu und nicht erst, so wie bei den Läufen zuvor, als ich bemerke, dass meine  Kräfte schwanden. 

So wartete ich (insgeheim) vergebens auf diesen Moment, wo man  von dem einen Schritt auf den nächsten merkt, dass die Kräfte plötzlich am Ende sind und der Rest der Strecke zur Qual werden würde. Auch bei Kilometer 17, dort wo das eben beschriebene Phänomen üblicherweise einsetzt, fühlte ich mich noch stark und locker genug, um im bis dahin vorge-haltenen Tempo in Richtung Ziel (noch vier KM) weiterlaufen zu können.

Und so machte es dann auch wesentlich mehr Spaß, mit erhobenem Haupt durch die anfeuernden Zuschauermassen in der Kölner Innenstadt getragen zu werden, denn man nimmt das alles doch viel bewusster war, als wenn man sich mit gesenktem Kopf am Ende seiner Kräfte über die letzten Kilometer quälen muss.

 

Und so gut ich mich auf der Strecke fühlte, so gut war dann schließlich auch meine Finisher-Zeit: 1:49,52 Stunden brauchte ich für die 21.095 Meter. Das waren über zehn Minuten weniger als noch im letzten Jahr in Köln und gut 1,5 Minuten schneller als meine bisherige Bestzeit aus dem Jahr 2009.

 

Nachdem mir dann kurz hinter der Ziellinie von einer charmanten jungen Dame die kühlende Finisher-Medaille umgehangen wurde,  stärkte ich mich im abermals getoppten Verpflegungsbereich mit heißer Suppe, deftiger Wurst und einem kühlen Bier  und wartete auf die Ankunft meines Kameraden, den ich in der Hektik vor dem Start leider aus den Augen verloren hatte.

Zusammen machten wir uns – das schlimmste befürchtend – auf den Weg zur Kleiderbeutelausgabe.  An dem Zelt, an dem unsere  Kleiderbeutel hätten sein müssen, nannten wir dann unsere Startnummern - und hielten unsere Beutel wenige Sekunden später in den Händen.  Hurra! 

Herzlichen Dank an den Fahrer des Bananen-Lasters!

 

Im nächsten Jahr wird es in Köln übrigens eine große Jubiläums-Veranstaltung geben, denn dann findet der Köln-Marathon zum 20. Male statt. Ob ich bei dieser Gelegenheit vielleicht die 1:45,00 Stunden-Marke knacke???

 

Stefan ScHoN